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- Schöne neue Welt im Revier
Für Kritiker ist Jagd oft nur das Töten von Tieren. Aber nicht jedes Töten eines Tieres ist Jagd. Letztere wird daraus erst bei Einhaltung einer Vielzahl geschriebener und ungeschriebener Regeln unserer Waidgerechtigkeit Foto: Rainer Sturm / pixelio.de Diese Grundsätze gehen weit über die vom Staat fixierten Normen und Gesetze hinaus. Dem unbestimmten Rechtsbegriff liegen also ethische und moralische Ansprüche zu Grunde, die sich selbstverständlich im Laufe der Zeit verändern. Sie sind Spiegel ihrer Epoche. So entsprechen mittelalterliche Feudaljagden und Parforcejagden sicher nicht mehr waidmännischen Vorstellungen. Von Bertolt Brecht ist der Satz überliefert „Erst kommt das Fressen, dann die Moral“. Wenn aus dem animalischen Fressen ein menschliches Essen werden soll, geht das nur bei Einhaltung von Regeln jenseits der Befriedigung physischer Grundbedürfnisse. Ebenso unterscheidet sich menschliches Jagen vom Töten tierischer Beutegreifer. Ein den aktuellen Ansprüchen genügender Umgang mit Wildtieren ist Verpflichtung und Herausforderung zugleich. So hat es das 7. Rotwildsymposium der Deutschen Wildtier Stiftung in seinem „Ostsee-Papier“ formuliert. Ethisches Handeln mit Wissen und Erfahrung Einige Regeln sind Selbstverständlichkeiten. Dazu gehört der Verzicht auf den Abschuss von zur Aufzucht notwendigen Elterntieren. Das gilt auch in Phasen starker Wildreduktion. Denn Verstöße gegen den Muttertierschutz verursachen massives Tierleid und gehören konsequent angezeigt. Niemals ist auf die Nachsuche beschossener Wildtiere zu verzichten, wenn sie nicht gleich am Anschuss liegen. Dabei macht es keinen Unterschied, ob es um einen Hasen oder einen Hirsch geht. Die Überhege von Wildarten, um eine hohe Populationsdichte oder starke Trophäen zu erreichen, verbietet sich ebenso wie die Fütterung außerhalb von Notzeiten oder ein unzureichender Abschuss. Solch ein Verhalten ginge zu Lasten anderer Teile des Ökosystems oder beeinträchtigt die legitimen Interessen anderer Gesellschaftsgruppen. Letztlich braucht es für ethisches Handeln ausreichend Wissen und Erfahrung. Deshalb müssen Jäger sich regelmäßig weiterbilden und ihr eigenes praktisches Können zuverlässig einschätzen lernen. Der Hase wird nicht in der Sasse geschossen und der Fasan ausschließlich im Flug. Lassen wir die Frage außen vor, ob das zur Vermeidung von Krankschüssen der Weisheit letzter Schluss ist, so spricht daraus das Postulat, das Wild müsse eine faire Chance haben. Die ergab sich früher nahezu automatisch durch die überlegenen Sinne des Wildes, die der Mensch nicht durch Technik kompensieren konnte. Längst jedoch ist fraglich geworden, war das Postulat in einer Zeit von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz (KI) noch wert ist. Noch vor 20 Jahren erwartete der passionierte Schwarzwildjäger ungeduldig den Vollmond und fieberte dem winterlichen Nachtansitz bei Schnee entgegen. Längst jedoch werden die Sauen ganzjährig bejagt und die meisten bei Neumond erlegt. Wildkameras und Nachtsichttechnik machen´s möglich. Auch die weitere technische Entwicklung wird nicht an Reviergrenzen Halt machen. Vielleicht wird sie uns in einigen Jahren auf der Basis erhobener Daten, individueller Identifikationsmöglichkeiten und von Bewegungsprofilen vorhersagen, welches Stück Wild nach Alter und Geschlecht mit wie hoher Wahrscheinlichkeit an welcher Stelle im Revier zu welcher Uhrzeit erlegt werden kann. Die negative Utopie aus Aldous Huxleys 1932 erschienenem Roman „Brave New World“ (Schöne neue Welt) könnte so im Jagdrevier Wirklichkeit werden. So entsteht eine neue jagdliche Normalität, die sich mit Argumenten wie Seuchenprävention und Begrenzung des Klimawandels auch begründen lässt. Sie ist aber weit entfernt vom Jagdbegriff des spanischen Philosophen Ortega y Gasset: „Zwischen Mensch und Tier gibt es eine feste Grenze, wo die Jagd aufhört, Jagd zu sein, und zwar dort, wo der Mensch seiner ungeheuren technischen Überlegenheit über das Tier freien Lauf lässt.“ Vieles spricht dafür, dass sich die Jagd mit zunehmender Rasanz auf die „feste Grenze“ zubewegt. Der Einsatz von Technik macht die Jagd immer effektiver und der Grundsatz „Strecke machen“ beherrscht die Denkrichtung. Wenn der Zweck die Mittel heiligt, kann der Einsatz der Technik kaum noch illegal sein. Längst wird Nachtsichttechnik mit der Begründung des Waldschutzes zur Rehwildbejagung genutzt. Fluch und Segen liegen eng beieinander Wer die Entwicklung kritisch betrachtet, redet damit keinesfalls zwangsläufig der Technikfeindlichkeit das Wort. Die Digitalisierung kann durchaus die Waidgerechtigkeit fördern. Heute werden mehr Rehkitze durch den Einsatz von Drohnen mit Wildkameras vor dem Mähtod gerettet, als das Absuchen der Wiesen mit dem Hund oder andere „analoge“ Methoden dies je vermocht haben. Auch Wärmebild- und Nachtsichttechnik bringt große Vorteile beim Tierschutz. Durch das genaue Ansprechen des Wildes können führende Bachen identifiziert und Fehlabschüsse verhindert werden. Moderne Technik hat also durchaus positive Bereiche. Entscheidend ist der verantwortungsvolle Umgang damit. Nicht das Postulat hehrer Grundsätze ist entscheidend, sondern das Leben des ethischen Selbstverständnisses in der tatsächlichen Jagdpraxis. Stets geht es um Einzelentscheidungen, die dem Jäger niemand abnehmen kann. Die Frage der Selbstbeschränkung muss er angesichts immer größerer Verlockungen und immer niedrigerer Hemmschwellen alleine beantworten. Der damalige baden-württembergische Ehrenlandesjägermeister Dr. Dieter Deuschle hat vor mehr als einem Jahrzehnt gefolgert: „Formell bedeutet dies, Entscheidungen zu treffen, die rechtlich möglich sind, Verpflichtungen zu erfüllen, die nicht immer gesetzlich normiert sind, oder Tätigkeiten zu unterlassen, obwohl sie zugelassen wären.“ Für ihn war deshalb zwingend, dass Jagdausübung nur auf dem Hintergrund des Vorranges der Waidgerechtigkeit erfolgen kann. „Die Beseitigung dieses Grundsatzes würde der Veränderung des Jagens zur Schädlingsbekämpfung hin Vorschub leisten.“
- Was Starkes starten
Startschuss für den Wahlkampf 2026 in Baden-Württemberg: Der 36-jährige Manuel Hagel will als Spitzenkandidat der baden-württembergischen CDU gegen den grünen Kretschmann-Ersatz Cem Özdemir antreten Manuel Hagel (Foto: cdufraktion-bw.de) Es hat niemanden mehr überrascht. Manuel Hagel wird 2026 antreten, um der CDU den von Winfried Kretschmann seit dann 15 Jahren abspenstig gemachten Einzug in die Villa Reitzenstein zu garantieren. Dort sitzt die Staatskanzlei, vor Kretschmanns grüner Regierungszeit viele Jahrzehnte lang das schwarze Zentrum Baden-Württembergs. Aus eigener Anschauung wird sich Hagel an die Zeiten dieser christdemokratischen Selbstverständlichkeit nicht mehr erinnern. Der junge Mann ist gerade mal 36 Jahre alt und war zarte drei Jahre alt, als Erwin Teufel, der letzte Unumstrittene der Südwest-CDU, Ministerpräsident wurde. Teufels Vorgänger Hans Filbinger und Lothar Späth kennt Hagel nur aus dem Buch der Landesgeschichte. Danach folgten Günther Oettinger und Stefan Mappus, dann war Schluss mit Regieren. Jetzt setzt Hagel hörbar auf jene Tugenden, die Teufel wie Späth zu populären und – unbestritten – erfolgreichen Landesvätern gemacht hatten. Auf Bodenständigkeit und Tradition, auf den Fleiß seiner Landsleute und eine Bewahrung der Natur, die Hagel gerne Heimatschutz nennt. Gegen Grüne, die sich unter Kretschmann tief ans konservative Wählerrepertoire rangewanzt haben, gegen Rechtsextreme, die im Ländle seit jeher nicht ohne Achtungserfolge im Trüben zu fischen wissen. Die geschundene CDU hat sich Hagel nicht erst seit gestern untertan gemacht. Die Aussicht, mit ihm an der Spitze die lang vermisste Macht im Land zurückzuerobern, ohne sich weiter als gesichtsloser Strobl-Junior an der Kretschmann-Seite bis in die Bedeutungslosigkeit liebkosen lassen zu müssen, ist so verlockend wie seit langem nicht mehr – und einend. Hagel, verheirateter Vater von drei kleinen Söhnen und beruflich von Hause aus Diplombankwirt im ländlichen Raum, hat obendrein genug getan, um jetzt die Spitzenkandidatur einzufordern. Mehr als Anspruch als Bewerbung. Vom lernfähigen Landtagsabgeordneten zum CDU-Chef Mit 28 war Hagel ein lernfähiger Landtagsabgeordneter, mit 33 Chef einer maroden Landtagsfraktion, mit 35 Vorsitzender einer mutlosen wie streitenden Partei. Nächstes Jahr wird der zielstrebige wie machtbewusste Hagel 38 und wäre damit zwei Jahre jünger als der legendäre Lothar Späth, der bisher mit 40 der jüngste Regierungschef im Südwesten war. Und im März 2026 dann satte 25 Jahre jünger als Winfried Kretschmann, der erst mit 63 seinen Amtseid abgelegt hatte. Es läuft also rund, könnte man zum Voreiligen neigend sagen. Seit einem Jahr hält die CDU die Grünen in Umfragen auf einem Abstand von mindestens zehn Prozent, nicht zuletzt, weil sie sich wieder auf ihre verloren gegangene Stärke im ländlichen Bereich verlassen kann. Auch, weil sich die AfD dort schwertut und keinen halbwegs bekannten Spitzenmann ins Rennen zu schicken weiß. Frauen haben in der AfD ohnehin nichts zu melden. Alles hätte also im Schatten einer taumelnden Berliner Ampel und ohne den abtretenden grünen Endsiebziger Kretschmann für Hagel glatt laufen können – vielleicht sogar mit einer knurrend nach Regierungsbeteiligung hungernden FDP; wenn, ja wenn sich demnächst in der Bundeshauptstadt nicht eine Schuldenwende-Koalition auf den Weg machen muss. Und so wird Hagel seinen eigenen Stil finden müssen, um sich gegen seinen grünen Herausforderer Cem Özdemir durchzusetzen. Einen öko-konservativen 59-Jährigen, der als Europaabgeordneter, Parteichef und Bundesminister unbestritten mehr Lebens- und Regierungserfahrung auf dem Buckel hat. Noch hat Hagel reichlich Zeit, sich im Land bekannter zu machen. Bei der Popularität liegen er und Özdemir hinter dem unerreichbaren Kretschmann ziemlich gleichauf. Alles in allem kein schlechter Ausgangspunkt, um was Starkes zu starten.
- Es wird reibungslos verhandelt
Aktuell laufen die Koalitionsverhandlungen in Berlin. Während es an anderen Stellen knirscht, gibt es beim Thema ländlicher Raum wenig öffentlichen Streit Foto: Kamyq Das genaue Hinsehen lohnt sich. Das gilt besonders für die Arbeitsgruppe elf der in Berlin laufenden Koalitionsverhandlungen. Unter der Überschrift „Ländliche Räume, Landwirtschaft, Ernährung und Umwelt“ verhandeln 16 Vertreter von CDU, CSU und SPD aktuell den Koalitionsvertrag, der die Zukunft der ländlichen Räume wenigstens für die nächsten vier Jahre regeln soll. Dabei geht es natürlich um klassische Themen wie die Nutztierhaltung, die Zukunft der Landwirtschaft und der Jagd, aber auch um das ganz große Thema Abbau der überbordenden Bürokratie. Andere Bereiche, die für die Zukunft der ländlichen Räume ebenfalls wichtig sind wie zum Beispiel der Öffentliche Nahverkehr oder die Versorgung mit Glasfaser, werden allerdings in anderen Arbeitsgruppen verhandelt. Auch wenn bisher sehr wenig aus der Arbeitsgruppe elf an die Öffentlichkeit gedrungen ist, gibt es zwischen Union und SPD ein hohes Maß an Schnittmengen. Beispiel Abbau der Bürokratie: So soll die Stoffstrombilanz offenbar gänzlich entfallen. Diese wurde auf Druck der EU-Kommission 2017 in Deutschland eingeführt und war ein Lieblingskind vor allem des jetzt abgewählten grünen Landwirtschaftsministers Cem Özdemir . Gedacht als gesetzliches Mittel, Nährstoffflüsse in landwirtschaftlichen Betrieben transparent und überprüfbar abzubilden, entwickelte sich diese Stoffstrombilanz zu einem bürokratischen Monster. Nicht nur Landwirtschaftsverbände beklagten, dass es für fast alle Betriebe ohne externe (und damit teure) Beratung unmöglich war, diese Formulare korrekt auszufüllen. „Diese Vorgabe zwingt mich noch länger an den Schreibtisch“, schimpfte ein Landwirt. „Zeit, die ich viel besser in meinem Betrieb und Stall verbracht hätte.“ Die Grünen vermisst keiner Doch nicht nur beim Thema Stoffstrombilanz bzw. dem übergeordneten Projekt Bürokratieabbau vermisst keiner der 16 Verhandler von Union und SPD in Berlin aktuell die Grünen. Ganz im Gegenteil: Hier kann die neue-alte „Groko“ zeigen, dass was geht. So ist man sich offenbar wohl einig darüber, die volle Agrardiesel-Rückvergütung wieder einzuführen. Diese Kürzungspläne hatten für die größten Proteste der Landwirte in den vergangenen 20 Jahren in der Bundesrepublik gesorgt. Nach Meinung von Beobachtern haben diese sehr bilderstarken Proteste ganz erheblich mit dazu beigetragen, dass die Ampel-Koalition im Herbst zerbrochen ist. Mindestlohn ist umstritten Ebenfalls einig sind sich die Verhandler darüber, die Nutztierhaltung in Deutschland zu fördern. Im Gespräch sind 1,5 Milliarden Euro Förderung allein für Betriebe, deren wirtschaftlicher Mittelpunkt die Schweinehaltung ist. Dazu soll ein langfristiger Finanzplan aufgestellt werden, um den durch Turbulenzen auf den Agrarmärkten zusätzlich verunsicherten Landwirten Planungssicherheit im nationalen Rahmen zu gewähren. Auch bei der Umsetzung der Naturwiederherstellungsverordnung und der Nationalen Biodiversitätsstrategie liegen die Positionen nicht weit auseinander – anders als beim Mindestlohn. Hier zeigt sich die SPD nicht kompromissbereit und segelt auf SPD-Linie. Diese setzt sich bisher für ein baldiges Steigen des Mindestlohnes ohne Ausnahme auf 15 Euro ein. Die Verhandlungsführerin der SPD, die Bundestagsabgeordnete Franziska Kersten aus Sachsen-Anhalt, dürfte außerhalb der Kommission „Ländliche Räume“ aber nicht das politische Gewicht auf die Waage bringen, um sich offen gegen den Kurs der Bundes-SPD zu stellen. Auch der einflussreiche Landwirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus – er amtiert seit 26 Jahren in Schwerin – dürfte dieses Thema gegenüber Klingbeil und Esken nicht „eskalieren“ lassen. Auf der Seite der Unions-Verhandler gelten die beiden Bundestagsabgeordneten Albert Stegemann (Niedersachsen) und Steffen Bilger (Baden-Württemberg) als höchst einflussreich. Stegemann führt im Nebenerwerb selbst einen landwirtschaftlichen Betrieb, gilt als fachkundig und holt regelmäßig im Emsland tolle Erststimm-Ergebnisse. So wurde er nach dem erzwungenen Rückzug des CSU-Kandidaten Georg Felßner mehrfach als möglicher Landwirtschaftsminister gehandelt. Ob allerdings die CSU auf das für sie extrem wichtige Amt auf Bundesebene verzichtet, ist eher ungewiss. Bis es zu dieser Entscheidung kommt, dürfte noch ein wenig Zeit vergehen. Die Arbeitsgruppe elf dürfte ihre Ergebnisse aber dann schon vorgelegt haben.
- Union und SPD müssen rasch Klarheit schaffen
Gedanken, Anmerkungen und Beobachtungen mit dem Blick aufs Land und auf die Bundespolitik Liebe Leserinnen und Leser, in unserem Wochenkommentar befassen wir uns mit den Koalitionsverhandlungen in Berlin, wo sich unter anderem bereits eine punktuelle Änderung des Bundesjagdgesetzes beim Thema Wolf abzeichnet. Auch geht es um die Attacken von radikalen Tierschützern gegen Hof und Familie des von der CSU als Bundeslandwirtschaftsminister vorgeschlagenen bayerischen Bauernpräsidenten Günther Felßner sowie dessen anschließenden Verzicht auf ein Amt in Berlin. Des Weiteren blicken wir ausführlich auf das jetzt beginnende Jagdjahr. Stichworte sind hier unter anderem die Grundsätze deutscher Waidgerechtigkeit, der Einsatz von Drohnen bei der Rettung von Rehkitzen und die Afrikanische Schweinepest. Es wäre gut und verantwortungsvoll, Union und SPD würden sich zügig auf zukunftsweisende Kompromisse für eine Regierungskoalition einigen. Spätestens seit der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts von Mittwoch, den Solidaritätszuschlag nicht zu kippen, sind auch die finanziellen Spielräume weitestgehend klar. Denn wäre die Beschwerde mehrerer FDP-Politiker erfolgreich gewesen, hätte der Staat möglicherweise den Soli der vergangenen Jahre zurückzahlen müssen. Dies wären seit 2020 rund 65 Milliarden Euro gewesen – eine Summe, die für Union und Sozialdemokraten in Sachen Finanzen fast alles wieder über den Haufen geworfen hätte. Dazu wird es nun nicht kommen. Die mutmaßlichen Koalitionäre wissen jetzt, womit sie finanziell agieren dürfen und das Land in wichtigen Bereichen neu aufstellen können – und vor allem auch müssen. Dazu gehört neben Steuersenkungen und vielem anderen auch das Thema Jagd. Dem Vernehmen nach hat man sich dort in einem wichtigen Punkt bereits geeinigt. So heißt es in einem Papier der zuständigen AG 11 Ländliche Räume, Landwirtschaft, Ernährung und Umwelt in Zeile 84 bis 87: „Wir unterstützen den Herdenschutz und setzen den Vorschlag der EU-Kommission zur Herabstufung des Schutzstatus des Wolfes national um. Wir nehmen den Wolf umgehend ins Jagdrecht auf und erneuern dabei das Bundesjagdgesetz punktuell.“ So weit, so gut. Aber den schönen Worten müssen nun auch rasch praktische Ergebnisse folgen, um der Kritik von Naturnutzern vielerorts im ländlichen Raum tatsächlich Rechnung zu tragen. CSU-Politiker verzichtet auf Wechsel nach Berlin Für Deutschland stehen nicht nur außenpolitisch – Stichworte Trump und Putin – heftige Zeiten bevor. Auch innenpolitisch droht sich das Klima gefährlich aufzuheizen. Dies haben jüngst die üblen Attacken von Tierrechtsaktivisten gegen Hof und Familie von Günther Felßner gezeigt – siehe dazu auch den Beitrag unseres Autors Wolfgang Kleideiter: „Wenn Krawallmacher ihr Ziel erreichen“ . Felßner hatte nach den Vorstellungen der CSU neuer Bundeslandwirtschaftsminister werden sollen. Dass der bayerische Bauernpräsident angesichts der physischen Bedrohungen nun das Handtuch wirft und auf einen möglichen Kabinettsposten in Berlin verzichtet, mag menschlich nachvollziehbar sein. Gleichwohl ist dieser Schritt politisch heikel, denn durch ihn haben Politchaoten de facto eine demokratische Wahlentscheidung konterkarieren können . So etwas darf keinesfalls Schule machen. Sonst haben wir bald Zustände, wie sie sich momentan in den USA abzeichnen. Oder anders ausgedrückt: Der Staat muss die Volksvertreter besser – und natürlich auch alle anderen Bürger – konsequent vor gewalttätigen „Weltverbesserern“ schützen. Sonst wird das Wort Demokratie zu einer leeren Hülse. Derweil bereitet man sich überall in den Revieren des ländlichen Raums auf das neue Jagdjahr vor, das am 1. April beginnt. Über 460.000 Jägerinnen und Jäger gibt es mittlerweile bundesweit. Dies ist ein Drittel mehr als vor 30 Jahren, wie der Deutsche Jagdverband kürzlich mitteilte. Unser Autor Christoph Boll wird sich vor diesem Hintergrund in der kommenden Woche in einem Blogbeitrag mit den vielen ungeschriebenen und geschriebenen Regeln der Jagd befassen, kurzum mit den Grundsätzen deutscher Waidgerechtigkeit. Dabei geht es auch um die weitere technische Entwicklung in Zeiten von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz, die an den Reviergrenzen nicht haltmachen wird. Vieles davon kann nützlich sein, etwa der Einsatz von Drohnen mit Wildkameras zur Rettung von Rehkitzen vor der Wiesenmahd. Doch bei alledem sollte man sich an den Jagdbegriff des spanischen Philosophen Ortega y Gasset erinnern: „Zwischen Mensch und Tier gibt es eine feste Grenze, wo die Jagd aufhört, Jagd zu sein, und zwar dort, wo der Mensch seiner ungeheuren technischen Überlegenheit über das Tier freien Lauf lässt.“ Jäger mit vielfältigen Aufgaben in der Natur Die Jägerinnen und Jäger haben vielfältige Aufgaben, darunter Schutz der Artenvielfalt, Mithilfe bei der Eindämmung von Tierseuchen und der Reduzierung von Wildschäden. Auch helfen sie gegebenenfalls mit speziell ausgebildeten Hunden bei der Suche nach verletzten Wildtieren. Dazu gehört die Rettung insbesondere von Rehkitzen bei der Wiesenmahd . Wenn im Frühjahr Rehkitze, Junghasen, am Boden brütende Vögel und andere Tiere Schutz im hohen Gras suchen, werden sie immer wieder durch Mähwerke verletzt oder getötet. Aus der Fahrerkabine sind die Wildtiere häufig nicht oder erst zu spät zu sehen. Umso wichtiger ist hier der Einsatz von Drohnen mit Wärmebildtechnik, um die Tiere im hohen Gras zu finden. Auf diese Weise lassen sich Rehkitze zumeist effektiver retten als durch das Absuchen der Wiesen mit dem Hund oder andere traditionelle Methoden. Laut Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung werden für die Anschaffung von Drohnen zur Tierrettung in diesem Jahr erneut 1,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die entsprechenden Anträge können bis zum 17. Juni 2025 gestellt werden. Antragsberechtigt sind beispielsweise eingetragene Kreisjagdvereine, Jägervereinigungen auf Kreisebene. Auch bei der Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) dürfen die so angeschafften Drohnen eingesetzt werden, um nach verendeten Wildschweinen zu suchen. Foto: Paul_Henri Das Thema ASP bleibt weiterhin akut. So ist jetzt bei einem Wildschwein im Landkreis Märkisch-Oderland die Afrikanische Schweinepest nachgewiesen worden. Das Tier sei vor etwa zwei Wochen bei Kienitz erlegt worden, teilte eine Sprecherin der Kreisverwaltung Anfang dieser Woche mit. Eine Tupferprobe habe den Befund ergeben. Zunächst hatte die Märkische Oderzeitung berichtet. Demnach wird innerhalb des Hochrisikokorridors eine Sperrzone II errichtet. Sie umfasst gut zehn Orte oder Teile davon. Der Landkreis hatte sich nach eigenen Angaben jedoch bewusst dagegen entschieden, über den aktuellen Fall zu informieren. Es sei der einzige Fund seit Monaten gewesen, erklärte die Sprecherin laut Märkischer Oderzeitung. Zudem sei das Tier noch vor dem ersten Schutzzaun gegen die Schweinepest aufgefunden worden, direkt an der Grenze zu Polen. „In Polen ist das Vorkommen von ASP-Fällen weiterhin sehr stark“, erläuterte die Sprecherin. Die Wahrscheinlichkeit, dass Wildschweine über die Oder in den Brandenburger Landkreis gelangen, sei hoch. Das Land Brandenburg hatte erst wenige Tage vor dem erneuten Fund Entwarnung gegeben und eine Schweinepest-Sperrzone im Landkreis Oberhavel aufgehoben. Kritische Morgendämmerung Auch für die Nicht-Jäger unter uns wird das Thema Wild in den kommenden Tagen und Wochen immer wichtiger. Denn in den Monaten April und Mai passieren laut Deutschen Jagdverband die meisten Unfälle mit Rehen auf Deutschlands Straßen. Jede Dritte übers Jahr gemeldete Kollision falle in diesen Zeitraum. Besonders kritisch sei der Zeitraum um die Morgendämmerung. Ein Grund hierfür ist laut DJV auch die Zeitumstellung am letzten Sonntag im März. Denn dadurch fällt der Berufsverkehr von einem Tag auf den anderen wieder in die Dämmerung und somit in die Rushhour vieler Wildtiere. Diese suchen nach den oft kargen Wintermonaten wieder verstärkt nach frischem Grün und überqueren dabei häufiger Straßen. Und bei den Rehböcken würden zudem die Hormone verrückt spielen, heißt es beim DJV. Sie würden ihre Reviere gegen Kontrahenten verteidigen oder sich gegebenenfalls eine neue Bleibe suchen. Rehe sind nach den Zahlen des DJV mit 53 Prozent die häufigsten Verkehrsopfer. Danach folgen mit weitem Abstand Hase und Kaninchen sowie noch knapp dahinter Fuchs, Waschbär und Marderhund. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und eine gute, für Sie positive und trotz vermehrter Wildwechsel unfallfreie Woche. Mit den besten Grüßen Ihr Jürgen Wermser Redaktionsleitung/Koordination
- Amüsante Pirsch durch die Jahrtausende
Unser Buchtipp: Die kürzeste Geschichte der deutschen Jagd Wolfgang Lipps hat mit „Die kürzeste Geschichte der deutschen Jagd“ ein Fachbuch vorgelegt, das nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch mit humorvollen Seitenhieben und pointierten Beobachtungen gespickt ist. Hier wird Jagdgeschichte nicht als dröge Abfolge von Jahreszahlen und Verordnungen präsentiert, sondern als eine amüsante Pirsch durch die Jahrtausende – mit feiner Ironie und scharfem Blick für Absurditäten. Von mittelalterlichen Herrschern, die mehr mit der Jagd als mit dem Regieren beschäftigt waren, bis zu modernen Waidmännern, die mit Hightech-Ausrüstung auf Pirsch gehen – Lipps spannt den Bogen weit. Überraschenderweise von den Dinosauriern bis hin zu einem ermutigenden Ausblick auf die zukünftige Entwicklung. Dabei trifft er nicht nur ins Schwarze, sondern manchmal auch mitten ins Lachzentrum des Lesers. Seine Anekdoten über skurrile Jagdgesetze und exzentrische Jäger lassen vermuten, dass die größte Beute mancher Jagd nicht das Wild, sondern die Geschichten drumherum sind. So liefert Lipps unter anderem eine überzeugende Erklärung, aus welcher Not heraus die Frühmenschen den aufrechten Gang entwickelten. Die Sprache? Treffsicher. Die Fakten? Fundiert. Der Humor? So trocken wie ein alter Hochsitz, aber mindestens genauso tragfähig. Hier wird nicht mit der groben Ulkkeule gewedelt, sondern das feine Florett mit meisterhafter Präzision geführt. Nicht Klimbim, vielmehr Heinz Erhardt. Wer glaubt, ein Buch über Jagdgeschichte könne nur für passionierte Jäger interessant sein, wird hier eines Besseren belehrt. Das Buch ist kongenial mit zahlreichen Zeichnungen von Ulf-Peter Schwarz garniert. Die Titelzeichnung stammt vom Autor selbst. Eine Fülle von Fußnoten und Verweisen bietet dem geneigten Leser die Möglichkeit, tiefer in die angesprochenen Bereiche vorzudringen. Und da der Autor sich auch technisch auf der Höhe der Zeit bewegt, sind viele Belegstellen digital abrufbar. Fazit: Ein Fachbuch mit Biss, das nicht nur Jagdbegeisterte unterhält, sondern auch Skeptiker in seinen Bann zieht. Waidmannsheil – und viel Vergnügen beim Lesen! Dr. Wolfgang Lipps: Die kürzeste Geschichte der deutschen Jagd Grevesmühlen: cw Nordwest Media Verlagsgesellschaft mbH, 2024 Foto: privat Der Autor des Buches Dr. Wolfgang Lipps – Dr. iur. utr. (Heidelberg), Diplom im Internationalen Recht (jur. Fakultät der Universität Paris). Mitglied der Auditeurs et Anciens Auditeurs der Akademie für Internationales Recht in Den Haag und Postgraduate der London School of Economics. Mitgliedschaften hielt und hält Dr. Lipps u. a. bei: Deutsche Steuerjuristische Gesellschaft, Studienvereinigung Kartellrecht, Deutscher Jagdrechtstag, Forum lebendige Jagdkultur u. a. m. Er ist öffentlich bestellter und vereidigter Dolmetscher für die englische Sprache. Als Geschäftsführer leitet er die JUN:I Institut für Jagd Umwelt und Naturschutz GmbH in Liepe bei Eberswalde. Quelle: https://www.forum-jagdkultur.de/ Unser Gastautor Volker Seifert ist stellvertretender Vorsitzender des Forums lebendiger Jagdkultur e.V.
- Wenn Krawallmacher ihr Ziel erreichen
Günther Felßner war als künftiger Bundeslandwirtschaftsminister gesetzt. Doch ein gesteuerter Protest und der kriminelle Übergriff einer radikalen Tierrechtstruppe verhindern, dass er weiter für das Amt zur Verfügung steht Günther Felßner (Foto: BBV) Markus Söder präsentierte ihn Mitte November überraschend auf einer Pressekonferenz. Günther Felßner, 58 Jahre alt, von Haus aus Landwirt, Präsident des bayerischen Bauernverbandes und Vize-Präsident des Deutschen Bauernverbandes, werde bei einem Erfolg der Union bei der vorgezogenen Bundestagswahl das Agrarressort übernehmen, verkündete der CSU-Chef . Dies sei Beschlusslage im Parteivorstand und gelte genauso für die Spitzenkandidatur von Alexander Dobrindt auf der CSU-Landesliste. Felßners geplante Ernennung sei ein Signal für die Landwirtschaft, den ländlichen Raum und wegen der gemeinsamen Proteste in Berlin auch für den gesamten Mittelstand. Mit ihm werde nach dem Grünen Cem Özdemir wieder ein Praktiker und Mann der Basis das wichtige Landwirtschaftsministerium übernehmen, betonte Söder. Doch durchstarten konnte Günther Felßner nicht. Auch wenn er am Tag der Pressekonferenz für die Zusammenarbeit aller an Land und Landwirtschaft interessierten Kräfte warb, den Bauernverband als „Denkfabrik“ für die Gesellschaft charakterisierte und dazu aufrief, Strategien zu entwickeln, die Klima- und Artenschutz einbeziehen – die Gegenkampagne war nicht mehr stoppen. Zugespitzte Äußerungen des Fachmanns und ein früherer Missstand auf dem Hof wurden genommen, um ihn bei Reizthemen wie Klimawandel und Tierwohl in die Ecke eines tumben Lobbyisten der Agrarindustrie zu stellen. Allen voran die Grünen, die in den Regierungsjahren gezeigt haben, wie zum Beispiel Vetternwirtschaft funktioniert. Erinnert sei an die Affäre Graichen im Wirtschaftsministerium oder die Ernennung der Greenpeace-Geschäftsführerin Morgan zur neuen Sonderbeauftragten für internationale Klimapolitik. Mit dem Kampfruf „Er darf nicht Minister werden!“ startete der Berliner Kampagnenverein Compact e.V. eine Petitions-Aktion gegen Günther Felßner. Ins gleiche Horn stieß das als Anti-AKW-Gruppe gestartete Umweltinstitut München e.V., das schon lange zum Beispiel „100 Prozent Ökolandbau“ will. Krawallmacher versetzen Felßners Familie in Panik Den Höhepunkt erreichte die Protestwelle aber jetzt, als selbst ernannte Tierrechtsaktivisten von „Animal Rebellion“ auf dem Hof von Felßner den Hausfrieden massiv störten und mit brennenden Bengalos und Pyrotechnik auf das Stalldach kletterten. Während der CSU-Politiker in Berlin an den Koalitionsverhandlungen teilnahm, versetzen Krawallmacher seine Familie in Panik. Laut Günther Felßner hatten seine Frau und ein Mitarbeiter während des Vorfalls „Angst um Leib und Leben“. Wer die Bilder der Vermummten sieht, kann dies gut nachvollziehen. In einer Presseerklärung sagte Felßner, er sei ein Mann des Dialogs und sehe sich als Brückenbauer. Auch für den Austausch mit Andersdenkenden stehe er immer bereit. Nur gehört „Animal Rebellion“ zweifellos nicht zu den Gruppierungen, die auf einen Gedankenaustausch großen Wert legen. Wer sich auf der inzwischen nur noch nach Voranmeldung erreichbaren Homepage der „Aktivisten“ informiert, findet festgezurrte fundamentale und höchst fragwürdige Positionen. Die Gruppe sieht sich als „antispeziesistische Bewegung“ – sprich: Sie setzt Mensch und Tier in ihren Rechten und ihrer Freiheit gleich. Ultimativ wird ein rein pflanzenbasiertes Ernährungssystem gefordert. Erreichen will man dies in erster Linie mit Störaktionen. Mit der kurzzeitigen Besetzung des Hofes hat dieser Polit-Mob allerdings eine Linie überschritten. Aktionen wie diese treffen die Demokratie im Kern, denn sie setzen Repräsentanten auf eine persönliche und völlig unzulässige Art unter Druck. Dass Günther Felßner eine Ernennung zum Agrarminister nunmehr ablehnt, ist ein Alarmsignal. Krawall- und Angstmacher, Hassprediger und Hetzer dürfen nicht darüber entscheiden, wer in diesem Land nach einer demokratischen Wahl Verantwortung trägt.
- „Dem Wald hat es nichts gebracht, nichts“
Forstwirte und Waldbauern hoffen nach der Bundestagswahl auf einen echten Dialog zwischen Fachleuten, Politik und Umweltverbänden. Den gab es zuletzt nicht. Doch der Wald kann nicht warten Foto: aszak Im Zeugnis würde eine glatte Fünf stehen. Mangelhaft: „Die letzten drei Jahre waren von unerbittlichem Streit geprägt. Was hat es uns, was hat es dem Wald gebracht? Absolut nichts! Mit zunehmender Unwahrscheinlichkeit der Novelle wurden die Bandagen auf Seiten der Befürworter härter. Ein Maß an Sachlichkeit und ordentlichem Umgang miteinander fehlte zuletzt völlig“, bewertet der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates (DFWR), Georg Schirmbeck, die vergangenen dreieinhalb Jahre Ampel-Regierung. Worte, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übriglassen und die nicht zufällig jetzt in die Öffentlichkeit geraten sind. Denn Ende März wird traditionell der „Internationale Tag des Waldes“ gefeiert. Überall auf der Welt werden an diesem Tag die Probleme und Herausforderungen des Waldzustandes betont, wird bilanziert, was gut läuft. Und was eben nicht so gut läuft für den Wald . Wie in den vergangenen dreieinhalb Jahren in Deutschland. Die Ampel-Koalition hat offenbar durch den gescheiterten Versuch einer Novelle des Bundeswaldgesetzes Gräben und Misstrauen zwischen den Akteursgruppen im Wald hinterlassen. Konkret: Politische Initiativen seien fast unabgestimmt gewesen. Das gilt für Inhalt, Form und Verfahren. Folge: Der Dialog zwischen Forstwirtschaft und Umweltverbänden sei zuletzt fast zum Erliegen gekommen. Ein Grund dafür: Vor allem in den drei von den Grünen geführten Bundesministerien Landwirtschaft (Cem Özdemir), Wirtschaft und Klimaschutz (Robert Habeck) und Umwelt ( Steffi Lemke ) setzte man allzu sehr auf ideologische Anweisungen und Vorgaben, weniger auf Ratschläge und Bedenken aus der Praxis. Dazu Georg Schirmbeck: „Forstwirtschaft und Waldbesitz haben immer wieder vor den verheerenden Folgen überflüssiger gesetzlicher Regulierungen gewarnt, die die aktive Klimaanpassung und Pflege der Wälder ausbremsen.“ Doch das sei ungehört verhallt. Und es ging sogar noch schlimmer. Wenn geredet wurde, wurde nicht miteinander, sondern oft gegeneinander geredet. Gern öffentlich, per Facebook und Co. Waldbesitzer und Wissenschaftler, die abweichende Meinungen geäußert hatten, wurden in sozialen Netzwerken gern einmal von namhaften Naturschutzverbänden persönlich angegriffen. Kein Dialog mehr möglich Ein Beispiel dafür, wie eine schlechte Debattenkultur nicht nur das persönliche Verhältnis zwischen den Handelnden verschlechtern kann, sondern Fortschritte in der Sache unmöglich machen kann. Doch genau diese Fortschritte tun dringend Not. Nach seriösen Schätzungen beziffern sich die Schäden durch den Klimawandel im deutschen Forst schon heute auf 14 Milliarden Euro. Dass durch gemeinsames Handeln auch Erfolge erzielt werden können, zeigen einzelne Ergebnisse der vierten Bundeswaldinventur . So ist es durch langjährige gezielte und fachmännisch angelegte Waldumbauprogramme und aktives Handeln durchaus zu schaffen, den Anteil an Mischwald- und Totholzanteilen zu steigern. Dr. Hans-Martin Hauskeller, Vorsitzender des DFWR-Fachausschusses für Klimaschutz und Biodiversität: „Deutschland verfügt über die nötigen Ressourcen, um unsere Wälder aus der Krise zu führen. Das gelingt mit unserem wissenschaftlichen Know-how, Innovation und vor allem kollegialem, interdisziplinärem Zusammenarbeiten. Die zentrale Herausforderung ist es, die Anpassungsfähigkeit der Wälder wirksam zu steigern. Dazu ist es wichtig, dass wir Realitäten akzeptieren und evidenzbasiert handeln.“ Blick geht nach vorn Jetzt muss der Blick nach vorn gerichtet werden. Zunächst müsse der Dialog zwischen dem Deutschen Naturschutzring (DNR) und dem DFWR wieder in Gang kommen. Dabei ist Präsident Schirmbeck guten Mutes. „Wir halten unsere Hand weiterhin ausgestreckt. Ich appelliere an alle Beteiligten, anständig miteinander umzugehen und gemeinsam anzupacken.“ Und er hat auch eine Bitte an die Kreise von Union und SPD, die in Berlin über eine Koalition verhandeln: „Die kommende Bundesregierung sollte Vertrauen aufbauen, statt uns mit Debatten um weitere Regulierungsvorhaben zu belasten.“ Und da bringt der Forstwirtschaftsrat durchaus Gewicht in die politische Waagschale mit. Der Verband ist die Stimme für rund zwei Millionen private und öffentliche Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer, die die Fläche von etwa 11,4 Millionen Hektar Wald in Deutschland nachhaltig pflegen und bewirtschaften. Zuhören würde also lohnen.
- Unsere Wochenkolumne zu unserer Innenpolitik mit Relevanz für den ländlichen Raum
Liebe Leserin, lieber Leser, in dieser wöchentlichen Kolumne befassen wir uns in der Regel mit politischen und gesellschaftlichen Themen und ihren Auswirkungen auf die Entwicklung des ländlichen Raumes. Wir haben einen Blick darauf, weil unsere flankierende Öffentlichkeitsarbeit davon ausgeht, dass die Jagd (unser eigentliches Feld) nur funktioniert, wenn der gesamte ländliche Raum mit seinen Zusammenhängen politisch und gesellschaftlich mehr Gewicht erhält. In Berlin sind jetzt erst einmal die Türen verschlossen. 256 Männer und Frauen aus CDU, CSU und SPD gehen in ihren Arbeitsgruppen an die Themen. Wir haben erst einmal auf Ergebnisse zu warten. Am Ende dieser Wochenkolumne finden Sie noch ein paar Sätze zur Arbeit unserer Stiftung „natur+mensch“. Alle reden und manche rätseln in diesen Tagen über unseren designierten Kanzler. Was kommt mit Friedrich Merz auf uns zu? In unserem Blog werden wir beobachten und reflektieren, was der ländliche Raum diesbezüglich zu erwarten hat. Wie wird sein Kabinett aussehen, über dessen Zusammensetzung zunehmend spekuliert wird. Und wie wird neben den auch im Inneren folgenschweren Außen-Themen unsere Wirtschafts- und Strukturpolitik aussehen? Wie man so hört, will die SPD natürlich das Finanzministerium mit dem entsprechenden Einflussbereich als Gegenpol zum CDU-Kanzler besetzen. Das größte Gezerre soll es besonders in den zwei der 16 Verhandlungsgruppen geben, in denen es um die Innen- und Migrationspolitik geht und um das Thema Soziales. Das ist schon eine besondere Konstellation, wenn dort hinter verschlossenen Türen etwa der noch amtierende Sozialminister Hubertus Heil und der dem Wirtschaftsflügel der Union zuzuordnende und Merz-Vertraute Carsten Linnemann als Verhandlungsführer aufeinandertreffen. Die CSU soll nach dem, was man so hört, dabei bleiben, unbedingt den Landwirtschaftsminister mit ihrem Kandidaten Felßner zu stellen. Mal abwarten. Wer ist eigentlich Friedrich Merz mit seinem Weg zur politischen Macht? Erst einmal zurück zu Merz. Vielleicht ist es dazu ein guter Tipp, sich mit aktueller Lektüre zur politischen Biografie des Sauerländers zu befassen. Er ist die wahrscheinlich neue starke Figur in Berlin, in Europa und in der internationalen Politik. Mein Kollege Volker Resing, einer der erfahrenen innenpolitischen Korrespondenten in Berlin, hat gerade zum richtigen Zeitpunkt vor der Kanzlerwahl nach der Koalitionsbildung eine lesenswerte politische Biografie geschrieben. Der Journalist verantwortet das Innenpolitik-Ressort „Berliner Republik“ bei der Monatszeitschrift Cicero. Im Klappentext des Buches heißt es: Er polarisiert, er inspiriert und er kämpft : Friedrich Merz hat den beispiellosen Sprung von der politischen Bühne ins Wirtschaftsleben und wieder zurückgeschafft. Als Kanzlerkandidat der CDU/CSU steht er für konservative Werte, wirtschaftliche Kompetenz und den Wunsch nach Erneuerung. Doch wer ist der Mann, der als Gegenentwurf zu Angela Merkel gilt und die politische Landschaft Deutschlands nachhaltig prägt? Antworten gibt Resing, für dessen Buch der Erscheinungstermin wegen des Bruchs der Ampel vorgezogen werden musste. Wir können danach erwarten, dass der heutige Kandidat als späterer Kanzler anders auftreten wird als im Wahlkampf. Auch hier heißt es: Erst mal abwarten… ( Volker Resing: Friedrich Merz „Sein Weg zur Macht“, Herder Verlag , 22 Euro ) Das Zweimal- 500-Milliarden-Paket, das Merz und Klingbeil im Schweinsgalopp durch den alten Bundestag und gestern den Bundesrat ins Grundgesetz bugsiert haben, führt irgendwie auch zu einem Beben im Hintergrund. Die Union erlebt gerade Rumoren in den eigenen Reihen. Wo vorher vor Ort alle, die kandidierten oder um Wählerstimmen warben, von Merz auf die strikte Ablehnung der Schuldenbremse eingeschworen worden waren, gibt es jetzt auch Gemaule. Was davon in die Öffentlichkeit kommt, wird der AfD mehr helfen als CDU und CSU selbst. Auf der anderen Seite stehen natürlich neben der europäischen Aufrüstung die zugesagten Infrastrukturverbesserungen. Bei diesem Thema kommen wir darauf zurück, was dann (vielleicht) unten ankommt. Wenn ich allerdings auf ein Einzelbeispiel in meiner Nähe blicke, passt es einfach nicht zusammen, dass geplante Investitionsmaßnahmen in der Bahninfrastruktur zurückgenommen werden. Gerade als das Infrastruktur-Paket in Berlin geschnürt wurde, hat die Bahn angekündigt, die von den Kommunen und ihren Pendlern erwarteten Schienenausbaupläne im Regionalverkehr um sechs Jahre zurückzustellen. Aus dem sicher scheinenden Halbstundentakt auf einer wichtigen Bahnstrecke im Münsterland wird erst mal nichts. So etwas ist vor Ort das falsche Signal für eine ländliche Region zu dem, was gleichzeitig in Berlin aufgesetzt wird. Die Grünen sortieren sich ohne Habeck und Baerbock neu Im Gegensatz zur Union scheinen die auf 85 Abgeordnete geschrumpften Grünen Milde der Basis zu erfahren. Jedenfalls ist öffentlich wenig Unruhe darüber zu vernehmen, dass von den 25 Prozent in den damaligen Umfragewerten von 2021 jetzt im Ergebnis nur 11,6 Prozent übriggeblieben sind. Habeck und Baerbock (mit anderen internationalen Karriereaussichten) haben sich in Partei und Fraktion von der Spitze zurückgezogen. Das weibliche Spitzenduo Dröge/Haßelmann ist beim Griff ins Grundgesetz zu den Schuldenpaketen so selbstbewusst aufgetreten, dass die Parteifreundinnen und -freunde in den Ländern erst einmal zufrieden scheinen. Immerhin werden im Sinne der Grünen bei der Schuldenaufnahme zur Infrastrukturverbesserung 100 Milliarden für die Klima-Themen abgezweigt. Nun schauen wir, was wir auf dem Lande davon zu spüren bekommen. Große Erwartungen in Brüssel Die Europäer in Brüssel setzen große Erwartungen in die neue Bundesregierung unter der Führung von Friedrich Merz. Davon berichtet unser Autor Ludwig Hintjens. Nach seiner Einschätzung war die bisherige Ampel-Regierung in Berlin insofern unbeliebt, als sie bei vielen Gesetzesvorschlägen keine gemeinsame Position finden konnten. Daher fielen wir als Mitgliedstaat mit den meisten Einwohnern und der kräftigsten Wirtschaft in den Ministerräten als Orientierungspunkt für die anderen EU-Mitglieder vielfach aus. Die Enthaltung wurde von Brüsseler Diplomaten zynisch als „German Vote“ („deutsche Stimme“) bezeichnet. Friedrich Merz, der selbst einmal Europaabgeordneter war, will das ändern. Merz hat bereits ein gutes Verhältnis zum französischen Präsidenten. Die Hoffnung ist, dass mit Merz der deutsch-französische Motor für die EU wieder anspringt und neue Impulse für dringend notwendige Reformen gibt. So sollte etwa das Prinzip der Einstimmigkeit bei Fragen der Außenpolitik und der Steuern fallen. Es ist nicht mehr zeitgemäß und macht die EU unbeweglich. Die spannende Frage ist, wen Merz als seinen engsten EU-Berater ins Kanzleramt holt. Im Gespräch sind drei Kandidaten: der langjährige deutsche EU-Botschafter Michael Clauß, Michael Hager, der ehemalige Kabinettschef des deutschen Kommissars Günther Oettinger, sowie der Chef der deutschen Gruppe der CDU/CSU im Europaparlament, Daniel Caspary. Streitigkeiten haben unsere Wälder nicht vorangebracht Unsere Stiftung, die sich in diesen wöchentlichen Texten und ihrem Blog auch mit weitgehenden Facetten, Erwartungen und politischen Hintergründen zur Zukunft von Natur und Mensch auseinandersetzt, arbeitet gleichzeitig lokal wirksam und in der Praxis. Dem soll unser Projekt „Wald mit Wild“ dienen, an dem wir intensiv weiterarbeiten. Der Versuch, ein neues Waldgesetz für Betroffene mit geplanten grünen Einschränkungen durch das Parlament zu bringen, ist zwar vorerst gestoppt. Doch der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR) nimmt den gestrigen Internationalen Tag des Waldes zum Anlass festzustellen, dass die anhaltenden Streitigkeiten die Wälder Deutschlands nicht vorangebracht haben. Darauf wird unser Autor Frank Polke in der kommenden Woche in unserem Blog noch einmal näher eingehen. Und vor Ort unterstützt unsere Stiftung wieder vermehrt Natur-Pädagogik-Projekte und Exkursionen für junge Menschen mit praktischem Lernmaterial durch unsere „Lernort-Natur-Rucksäcke“ . Dabei helfen vielfach Organisationen örtlicher Serviceclubs wie Rotary oder Lions, die von uns angestoßenen Aktionen vor Ort umsetzen. Gerade hat der Lions Club Syke-Hunte-Weser e.V. vier solcher Rucksäcke an die Hacheschule Melchiorshausen und die Grundschule Heiligenrode übergeben. In einer Pressemitteilung dazu schreibt der Club: „Mit dieser naturpädagogischen Grundausstattung können Kinder mit viel Spaß lernen und spielerisch die Natur entdecken.“ Dieser Themenrucksack bereichere den naturkundlichen Unterricht und stelle eine spannende Bereicherung des Schulalltags dar. Besser kann man es nicht beschreiben und unsere Stiftung dankt dafür! Das wäre doch auch mal eine Wochenendempfehlung: Rucksack mit Verpflegung packen und in dieser spannenden Zeit der Knospenaufbrüche durch einen unserer Wälder wandern! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein erlebnisreiches Wochenende Ihr Jost Springensguth Redaktionsleitung / Koordination
- Jagdschein: Verlängern dauert lange
Die im vergangenen Herbst erfolgte Änderung des Waffenrechts führt zu massiven Verzögerungen bei der Jagdscheinverlängerung. Die zuständigen Behörden reagieren unterschiedlich darauf Wer seinen Jagdschein für das am 1. April beginnende neue Jagdjahr noch verlängern muss, sollte sich sputen. Schon jetzt ist die Wahrscheinlichkeit groß, das Dokument nicht rechtzeitig zurückzubekommen. Bundesweit geben die zuständigen Behörden eine aktuelle Bearbeitungszeit von zwei bis drei Monaten an für ein Verfahren, das zuvor meistens nur wenige Tage dauerte. Für einen Jäger kann das böse Folgen haben. Denn mit Ablauf der Gültigkeit des Jagdscheins entfällt automatisch die Erlaubnis zum Erwerb und Besitz von Munition für Langwaffen. Dies gilt insbesondere, wenn die Waffenbesitzkarte keinen separaten Eintrag für den Munitionsbesitz enthält. Wer dann weiterhin Munition besitzt, begeht unter Umständen eine strafbare Handlung oder zumindest eine Ordnungswidrigkeit. Das wiederum kann die waffenrechtliche Zuverlässigkeit infrage stellen, was zum Widerruf der Waffenbesitzkarte und damit zum Verlust aller eingetragenen Waffen führen kann. Auch der Jagdschein kann dann futsch sein. Denn die Zuverlässigkeit ist zwingende Voraussetzung für dessen Erteilung. Für Revierpächter kommt hinzu, dass die Pachtfähigkeit an den Besitz eines gültigen Jagdscheins geknüpft ist. Bei einigen Genehmigungsbehörden ist nach Darstellung Betroffener im Internet zwar möglich, die Verlängerung zu beantragen, ohne den Jagdschein bereits mit einzureichen, und diesen erst vorzulegen, wenn die vorbereitenden Arbeiten erledigt sind. Aber das hilft nicht, wenn die Gültigkeit am 31. März abgelaufen ist. Dann hilft auch keine Kopie, und sei sie auch beglaubigt, des eingereichten Verlängerungsantrags. Die aktive Jagdausübung ist dann allemal passé. Denn dafür ist stets der Jagdschein im Original mitzuführen. Ursache für die lange Bearbeitungszeit ist die von der Berliner Ampelregierung im vergangenen Jahr im Rahmen des Sicherheitspakets durchgesetzte Änderung des Waffengesetzes . Seither sind zu den zuvor schon notwendigen Abfragen bei verschiedenen Behörden weitere hinzugekommen, etwa bei Zoll und Bundespolizei. Die Zuverlässigkeitsüberprüfungen nach Bundesjagdgesetz und Waffengesetz dürfen nach den neuen gesetzlichen Grundlagen nur noch durch die Waffenbehörden erfolgen. Alle Neuregelungen traten in Kraft, ohne den Informationsaustausch zuvor verbindlich zu klären und die notwendigen technischen Voraussetzungen zu schaffen. Ganz übel ist das für Ausländer, die in Deutschland jagen möchten. Sie benötigen einen Ausländerjagdschein. Grundsätzlich erteilt den die für das Jagdrevier örtlich zuständige Untere Jagdbehörde, wenn der Antragsteller die Jagdberechtigung in seinem Heimatland nachweist. Dieses Verfahren sei „bis auf Weiteres“ nicht möglich, „da die für die Zuverlässigkeitsprüfung zuständige Waffenbehörde diese Antragsteller nicht abprüft“, heißt es beim Landkreis Potsdam-Mittelmark. Für deutsche Jäger waren als Folge der Gesetzesänderung bundesweit massive Verzögerungen bei der Jagdscheinverlängerung vorhergesagt worden. Etliche Landesjagdverbände (LJV) forderten ihre Mitglieder deshalb auf, die Verlängerungen frühzeitig zu beantragen. In Nordrhein-Westfalen etwa hieß es bereits im Dezember vergangenen Jahres, sofort tätig zu werden, weil die Landesregierung per Erlass festgelegt hatte, dass die Überprüfung von der Unteren Jagdbehörde nur angestoßen werden kann, wenn dort ein entsprechender Antrag vorliegt. Der Nachweis der vorgeschriebenen Jagdhaftpflichtversicherung konnte nachträglich erfolgen. Unterschiede bei Service und Bürgerfreundlichkeit Das ist nur ein kleines Indiz für die zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen sehr unterschiedliche Bürgerfreundlichkeit und Serviceorientierung der zuständigen Behörden. Reihenweise heißt es, man möge das Verfahren bitte postalisch oder digital anstoßen und um Gotteswillen von telefonischen Nachfragen oder gar einem persönlichen Erscheinen absehen. So ist dem Märkischen Kreis „nicht möglich, den Antragstellenden eine Empfangsbestätigung zu senden oder Rückfragen zum Bearbeitungsstand zu beantworten. Zudem erfolgt keine schriftliche Erinnerung von Jagdscheininhabern, bei denen der Jagdschein zum 31. März ausläuft.“ Beim Kreis Herford wird immerhin versprochen: „Die Mitarbeitenden melden sich bei den Antragstellern telefonisch, sobald die Verlängerung oder Erteilung des Jagdscheines erfolgen kann.“ Auch in Baden-Württemberg waren die Jagdbehörden nach einem Gespräch zwischen LJV und zuständigem Ministerium „angehalten, das Verfahren für die Verlängerung der Jagdscheine ab sofort so zu gestalten, dass die Jagdscheine nur für den kürzestmöglichen Zeitraum bei der Jagdbehörde verbleiben. Die Prüfung der Zuverlässigkeit und Eignung ist daher durchzuführen, ohne dass der Jagdschein dafür bei der Jagdbehörde verbleibt.“ Das Dokument muss also erst eingereicht werden, wenn die Eintragung „zeitnah“ vorgenommen werden kann und es dann „unverzüglich“ an den Jäger zurückgeht. Zusätzlich wurden die Unteren Jagdbehörden gebeten, zeitnah und vor Beginn des Jagdjahres 2025/26 einmalig alle Inhaber von Jagdscheinen anzuschreiben, deren Jagdscheine zum Ende des aktuellen Jagdjahres ablaufen werden. Sogar ganz ohne ministerielle Aufforderung ist das im Kreis Recklinghausen im vergangenen Dezember geschehen. Dabei wurden die Formulare für die Antragstellung gleich mitgeschickt. Bereits ein Stück in die Zukunft wird in Baden-Württemberg geblickt. Dort sollen Jäger in den kommenden Jahren „bei einem Kontakt mit der Jagdbehörde gebeten werden, zu erklären, ob sie beabsichtigen, auch zukünftig eine Verlängerung des Jagdscheines zu beantragen, und somit mit einer zukünftigen proaktiven Abfrage der Jagdbehörden bei den Waffenbehörden einverstanden sind. Dadurch soll die Bearbeitungszeit weiter verringert werden.“ Und der NRW-Landkreis Grafschaft Bentheim stellt sogar in Aussicht: „Zukünftig soll die Jagdscheinverlängerung noch weiter vereinfacht werden. So prüft der Landkreis aktuell, ob der Versand eines Siegels möglich ist, das Jagdberechtigte zu Hause in ihren Jagdschein einkleben können. In diesem Fall wäre auch der Versand des Jagdscheins obsolet.“
- Werden zum Osterfest die Eier knapp?
Leere Regale zu Ostern? Eier, die pro Stück knapp einen Euro kosten? Die Preise steigen nicht nur vor Ostern Foto: WOKANDAPIX Das Thema schaffte es sogar in die Nachrichten des US-Senders CNN und in die Regierungserklärung des US-Präsidenten Donald Trump. Allein von Dezember auf Januar 2025 stiegen die Preise für Eier in den USA um satte 15 Prozent – im Jahresvergleich sogar um 55 Prozent. Ein Dutzend Eier kostete im Februar im Land der unbegrenzten Möglichkeiten 7,34 Dollar (7,05 Euro). Damit wurden die Eier zum Symbol für die anhaltende Inflation in den amerikanischen Supermarktregalen – und könnten sogar gefährlich werden für Trump, der seinen Wahlsieg auch mit dem Versprechen, die Inflation zu senken, erreichte. Discounter dominieren den Markt Auch in Deutschland steigen die Preise für Eier im Schnitt aktuell an. Knapp drei Euro für sechs Eier wurden zuletzt an einzelnen Orten aufgerufen. Hans-Peter Goldnick, Vorsitzender des Bundesverbands Ei, erklärt die Gründe: „Derzeit registrieren wir eine sehr hohe Nachfrage durch Verbraucher und Eierfärbereien. Diese hohe Nachfrage trifft auf eine Angebotsverkürzung durch heimische Hersteller und Lieferanten aus dem Ausland. Das sorgt vereinzelt für Lieferengpässe und höhere Preise, gerade im Blick auf die Osterfeiertage .“ Dem Deutschen Bauernverband zufolge lag der bundesweite Pro-Kopf-Verbrauch 2024 bei 244 Eiern – ein Plus von acht Eiern im Vergleich zum Vorjahr. Dazu kommt, dass in den Wochen vor Ostern die Großproduzenten den Markt fast leer kaufen – nach Angaben von Goldnick kein ungewöhnlicher Vorgang. „Das ist normal und entspannt sich nach Ostern eigentlich wieder. Doch in diesem Jahr ist das etwas anders.“ Die freien Marktpreise im Großhandel hatten bereits Ende Januar ein Allzeithoch erreicht, heißt es. Eier im Großhandel seien mittlerweile teurer als im Supermarkt. So wurden demnach zuletzt zum Beispiel für 100 weiße Eier – Gewichtsklasse M und unterste Haltungsform – 17,63 Euro fällig. Die Preise an den Spotmärkten, wo auch Eier gehandelt werden, sind aktuell für den Verbraucher noch verkraftbar. 40 Prozent aller Schaleneier werden in Deutschland von den Discountern verkauft. Sie sind preislich und mengenmäßig durch längerfristige Verträge gebunden. Der Direktvertrieb, der gerade in den räumlichen Peripherien rund um die Großstädte durchaus beliebt ist, macht in Deutschland nur einen Marktanteil von 20 Prozent aus. Trotz höherer Preise und einer zurückgehenden Importmenge drohen nach Ansicht von Branchenkennern auch zum Osterfest keine leeren Regale. Die Versorgung ist gesichert, erklärte der zuständige Groß- und Einzelhandelsverband. Preisliche Entwarnung für die Endverbraucher können und wollen die Experten aber nicht geben. Denn irgendwann laufen die lang- bis mittelfristig geltenden Liefer- und Preiskontrakte für Eier aus. Und die Richtung der Preise dürfte auch angesichts der Markt- und Handelsturbulenzen nur eine Richtung kennen: nach oben. Auf Importe angewiesen Deutschland ist ohnehin auf Eierimporte aus dem Ausland angewiesen und kann den eigenen Bedarf nach aktuellen Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums nur bis zu 70 Prozent decken. Doch in dieser Abhängigkeit aus dem Ausland könnte ein weiteres Problem schlummern. In Italien und den USA grassiert aktuell die Vogelgrippe. Und in den Niederlanden haben durch umstrittene Umweltauflagen zahlreiche eierproduzierende Betriebe aufgegeben oder sind nach Osteuropa abgewandert. In Polen, Rumänien und trotz Sanktionen auch in Weißrussland sind Hunderte Betriebe entstanden, die den großen Eierbedarf vor allem für die Weiterverarbeitung von Eiern für Backwaren und andere verarbeitete Lebensmittel für Westeuropa decken. Umweltauflagen oder Mindeststandards für den Tierschutz, dort eher Fehlanzeige. Deswegen lohnt noch einmal ein Blick über den großen Teich: Die hohen Eierpreise sind nicht nur bei den Verbrauchern, die diese direkt kaufen, ein Problem. „Diese Preistreiberei hat nicht nur Auswirkungen auf die Bäcker und Läden mit Frühstücksangebot, sondern auch auf die Restaurants, die auf Eier angewiesen sind“, sagte Elizabeth Renter vom Finanzberater NerdWallet. Dies treibe die gefühlte „Dienstleistungsinflation“ weiter in die Höhe. Zuletzt riefen die hohen Eierpreise sogar Kriminelle auf den Plan. Im US-Bundesstaat Pennsylvania wurden zuletzt 100.000 Eier im Wert von 40.000 Dollar aus einem Lieferwagen gestohlen, die Ermittler tappen bei der Suche nach den Tätern noch im Dunkeln.
- Den „Maschinenraum“ des Staates gründlich modernisieren
Gedanken, Anmerkungen und Beobachtungen mit dem Blick aufs Land und auf die Bundespolitik Liebe Leserinnen und Leser, in unserem Wochenkommentar gehen wir auf die aktuelle Diskussion um milliardenschwere Sondervermögen ein und beleuchten die Empfehlungen einer hochkarätigen Expertenkommission zur Reform des Staates. Des Weiteren beschäftigt uns die Lage von Naturnutzern wie Weidetierhaltern und Krabbenfischern, die um mehr Verständnis für ihre Anliegen kämpfen. Ähnliches gilt für die Jägerschaft, die sich nicht auf dem Erfolg ihrer großen Demonstration in Hannover ausruhen darf, sondern sich weiterhin gegen die politischen Attacken von radikalen Tierschützern wehren muss. Abschließend weisen wir auf einen geplanten Blogbeitrag zu den behördlichen Schwierigkeiten bei der Verlängerung von Jagdscheinen hin. Die jüngste Debatte im Bundestag zu möglichen Sondervermögen – sprich Schuldentöpfen – für Verteidigung und Infrastruktur verlief wie erwartet kontrovers. Angesichts der finanziellen Größenordnung von rund einer Billion Euro ist dies absolut nachvollziehbar. Niemand von Union und SPD hätte erwarten dürfen, dass Grüne und Liberale einfach nur dankend abnicken, was sich Merz, Klingbeil und Co. in geheimen Gesprächen ausgedacht hatten. Hier geht es um sehr viel Geld , die Zukunftsfähigkeit unserer Demokratie und einen riesigen Schuldenberg auch für die junge Generation. Umso positiver, dass beide Seiten am Freitag konstruktiv aufeinander zugegangen sind und einen tragfähigen Kompromiss gefunden haben – so wie es in einer parlamentarischen Demokratie gute Praxis sein sollte. Denn klar ist: Die Lage ist viel zu ernst, um im bisherigen finanzpolitischen Stil weiterzumachen. Dies gilt insbesondere für die Verteidigung. Doch Geld ist nicht alles. Der Staat muss sich gleichzeitig in vielen Bereichen umfassend modernisieren und entbürokratisieren. Wie dies ganz konkret gehen kann, hat passend zu den Koalitionsgesprächen in Berlin eine überparteiliche Kommission überzeugend und detailliert dargelegt . Die Vorschläge der früheren Bundesminister Peer Steinbrück und Thomas de Maizière, des Ex-Verfassungsgerichtspräsidenten Andreas Voßkuhle und der ehemaligen Medien-Managerin Julia Jäkel zur Neuordnung im „Maschinenraum“ des Staates sollten zur Richtschnur für die Verantwortlichen in Bund und Ländern werden. Hier haben langjährig erfahrene Praktiker für Praktiker Empfehlungen gegeben, deren Umsetzung das Leben in Deutschland in wesentlichen Bereichen deutlich verbessern würde. Zentrale Forderung der Vier ist ein eigenes Ministerium für Digitales und Verwaltung, denn der digitale Staat sei „die Voraussetzung von allem“. So soll eine Neuordnung der mehr als 10.000 unterschiedlichen Software-Lösungen in Bund, Ländern und Kommunen gelingen – als Grundlage zur Vereinheitlichung von Dienstleistungen wie etwa der Kfz-Zulassung oder der Anmeldung eines neuen Wohnsitzes. Empfohlen wird auch – neben einigem anderem – eine Bündelung der 170 unterschiedlichen Sozialleistungen, die derzeit von fast 30 Behörden verwaltet würden. Entscheidend ist nun, dass die demokratischen Parteien nicht nur bei Sondervermögen für Verteidigung und Infrastruktur, sondern auch bei der Entbürokratisierung gemeinsam einen großen Sprung nach vorne wagen. Herausforderungen für die künftige Regierung Keine Frage, die künftige Regierung steht vor gewaltigen Herausforderungen. Die beiden wichtigsten: Die äußere Sicherheit des Landes wiederherstellen und das Vertrauen vieler Bürger, nicht zuletzt im ländlichen Raum, in die Verlässlichkeit des Staates zurückgewinnen. Zu Letzterem gehört auch ein besserer Umgang mit dem Thema Wolf. Die EU ist endlich dabei, den Weg für ein Management der sich immer weiter ausbreitenden Bestände freizumachen. Unser Autor Ludwig Hintjens hat darüber am Dienstag in seinem Beitrag „Die Jägerschaft kann sich bald des Wolfes annehmen“ für unseren Blog aus Brüssel berichtet. Damit wird es an der künftigen Koalition liegen, die bisherigen Blockaden der Ampelregierung zu beenden und eine Reduzierung der Zahlen auf ein ökologisch vertretbares Maß zu ermöglichen. Die meisten Bürger freuen sich über eine Rückkehr der Wölfe nach Deutschland. Niemand will diese Tiere hierzulande noch ausrotten oder vertreiben. Aber das von vielen selbsternannten „Tierfreunden“ praktizierte Motto „Wölfe über alles“ verprellt selbst die Gutmeinendsten . Denn auch Naturnutzer und speziell Weidetierhalter müssen zu ihrem Recht kommen. Das Thema Wolf hat in vielen Regionen zu Unfrieden und völligem Unverständnis über die Zögerlichkeit der Politik geführt. Nun besteht endlich die Chance zu einem Neuanfang. Die künftige Koalition sollte sie nutzen. Foto: Uwe Wagschal / pixelio.de Doch nicht nur Weidetierhalter, sondern auch andere Naturnutzer stehen teilweise vor existenzbedrohenden Herausforderungen. So etwa Niedersachsens Krabbenfischer. Der Vorsitzende des Landesfischereiverbandes Weser-Ems, Dirk Sander, berichtete kürzlich auf dem Fischereitag im ostfriesischen Neuharlingersiel von einem sehr schweren Jahr, das die Krabbenfischerei an der Küste hinter sich habe. „Ich würde sagen, es war das Schwerste, was ich je in meiner Laufbahn mitgemacht habe“, erklärte Sander. Im sechsten schweren Wirtschaftsjahr in Folge hat sich die Menge der angelandeten Krabben auf niedrigem Niveau noch einmal fast halbiert . Die Rahmenbedingungen seien einfach zu schlecht geworden, sagte der Verbandsvorsitzende Sander. „Wir brauchen langfristige Planungssicherheit und nicht, wie das jetzt läuft: alle paar Monate neue Vorschriften, Verbote, Einschränkungen und Gebietsverluste.“ Auch hier ist die neue Bundesregierung gefordert, sich auf europäischer Ebene stärker für die Belange von deutschen Naturnutzern einzusetzen. Jäger und Jägerinnen müssen sich ebenfalls stark bemühen, für ihre Anliegen in der breiten Öffentlichkeit auf Verständnis oder gar Sympathie zu stoßen. Dies zeigt sich wieder einmal im Nachklang zur großen Demonstration vom Januar in Hannover. Damals hatten über 15.000 Jäger gegen Pläne der grünen Landwirtschaftsministerin zur Reform des niedersächsischen Landesjagdgesetzes protestiert. Eine wesentliche Forderung war, dass die Ausbildung von Jagdhunden mithilfe von lebenden Tieren weiterhin möglich bleibe. Die Ministerin zeigte sich beeindruckt und lenkte weitgehend ein. Jägerschaft muss wachsam bleiben So weit, so gut. Doch die Jägerschaft darf sich jetzt nicht zufrieden zurücklehnen und die öffentliche Kommunikation nach der Devise einstellen, die Sache sei gelaufen. Denn radikale Tierschützer versuchen geschickt, die Stimmung wieder zu drehen, indem sie mit passenden Umfrageergebnissen ihrerseits über eine breite Medienresonanz politischen Druck erzeugen. Ein Peta-Fachreferent spricht hier Klartext: „Wir hoffen, dass die Landesregierung bei der Novellierung den Wunsch der großen Mehrheit der Bevölkerung berücksichtigt und weniger Aufmerksamkeit jener kleinen Gruppe schenkt, die das Töten von Tieren zu ihrer Freizeitbeschäftigung auserkoren hat.“ So abstrus und irreführend ein solcher Satz in den Ohren von Jägern auch klingen mag, er sollte in seiner politischen Wirkung nicht unterschätzt werden. Hier heißt es, mit Fakten gegenzuhalten und selbst in passender Form in die öffentliche und mediale Offensive zu gehen. Apropos Jagd. Regelmäßig müssen Jäger ihren Jagdschein verlängern. Was früher meistens nur wenige Tage währte, dauert derzeit bis zu drei Monate. Ursache ist die von der Berliner Ampelregierung im vergangenen Jahr im Rahmen des Sicherheitspakets durchgesetzte Änderung des Waffengesetzes. Zusätzliche Abfragen der Zuverlässigkeit der Antragsteller wurden vorgeschrieben, ohne die Voraussetzungen für den Informationsaustausch zwischen den zuständigen Behörden geschaffen zu haben. Für Jäger können die dadurch entstehenden Verzögerungen bei der Jagdscheinverlängerung massive Folgen haben, bis hin zum Verlust von Waffen-, Jagdschein und Jagdrevier. Unser Autor Christoph Boll wird in einem Blogbeitrag in der kommenden Woche zudem aufzeigen, wie unterschiedlich bürgerfreundlich und serviceorientiert die Behörden bundesweit sind, wenn es darum geht, zumindest die schlimmsten Folgen der langen Bearbeitungszeit zu verhindern. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und eine gute, für Sie positive Woche. Mit den besten Grüßen Ihr Jürgen Wermser Redaktionsleitung/Koordination
- Traumberuf ist ein Knochenjob
Auf dem Land wird es immer schwieriger, einen Tierarzt zu finden. Deshalb starten die Länder verschiedene Initiativen. Niedersachsen setzt sich zum Beispiel für die vereinfachte Anerkennung ausländischer Abschlüsse ein Schaut man sich die Zahlen der Bundestierärztekammer (BTK) nur oberflächlich an, könnte man die Hände in den Schoß legen: Denn in der Vergangenheit ist die Zahl der Tierärzte in Deutschland durchschnittlich pro Jahr um etwas mehr als ein Prozent gestiegen. Der Studiengang Veterinärmedizin ist weiterhin beliebt. Für die deutschlandweit rund 1500 Studienplätze gibt es etwa 5000 Bewerberinnen und Bewerber. Und trotzdem herrscht gerade im ländlichen Bereich, wo die allermeisten Nutztiere gehalten werden, ein Mangel. Denn immer mehr Veterinäre ziehen das Angestelltenverhältnis einer Selbstständigkeit vor. Laut Bundestierärztekammer hat im Jahr 2023 die Anzahl der Angestellten (11.429) sogar die Anzahl der Niedergelassenen (11.437) eingeholt. Und der Trend, als angestellter Veterinär mit 40 oder weniger Wochenstunden zu arbeiten, nimmt weiter zu. Der Mangel, so weiß man inzwischen, ist weniger ein Problem der Arztzahl als vielmehr ein Mangel an Arbeitszeitstunden. Dr. Holger Vogel, Präsident der BTK, formulierte es kürzlich so: „Angestellte Vollzeitkräfte mit 40 Wochenstunden können die bis zu doppelt so umfangreiche Arbeitszeit eines Selbstständigen nur in Teilen abdecken.“ Der Traumberuf ist in der Selbstständigkeit oft ein Knochenjob. Zum Teil ist auch deshalb die Anzahl der Tierarztpraxen rückläufig. Im Jahresvergleich 2022 zu 2023 betrug der Rückgang bei den Niedergelassenen minus 306. Und die Situation wird in Zukunft wohl nicht besser. Denn auch in diesem Berufszweig rollt die Rentenwelle. Viele praktizierende Tierärzte sind inzwischen 60 bis 69 Jahre alt. Der Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) weist schon seit längerer Zeit auf den „Tierärzte(-stunden)mangel“ hin. Auch kurz vor der Bundestagswahl wünschte Verbandspräsident Dr. Siegfried Moder ein ganzes Maßnahmenpaket – von der Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes über den Bürokratieabbau bis hin zur Verbesserung der Ausbildung durch eine Modernisierung der tierärztlichen Approbationsordnung. „Alle Forderungen sind bekannt, aber noch nicht umgesetzt“, bedauerte Moder beim bpt-Neujahrsempfang. Zu den besseren Rahmenbedingungen gehören aus Sicht der Veterinäre vereinfachte Anerkennung ausländischer Abschlüsse, verlässliche Kinderbetreuung, eine regelmäßige, am besten an die Inflationsentwicklung angepasste Erhöhung der Gebührenordnung und finanzielle Anreize für Rentner, noch ein paar Jahre länger im Beruf zu bleiben. Siegfried Moder: „Wir müssen endlich dafür sorgen, dass dieser traumhafte Beruf auch für Selbstständige wieder attraktiv ist.“ Praktiker berichten, dass sie inzwischen 20 bis 30 Prozent der Arbeitszeit mit staatlich verpflichtenden Aufzeichnungspflichten verbringen. Eine Zeit, die sie als Arzt lieber beim tierischen Patienten verbringen würden. Langwierige Verfahren zur Anerkennung ausländischer Tierarztausbildungen In einem Punkt – Anerkennung ausländischer Tierarztausbildung – erhalten die Praktiker jetzt Rückendeckung. Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte setzte sich Mitte Februar im Bundesrat für ein beschleunigtes Anerkennungsverfahren ein. Die Verfahren seien zu langwierig, da man weniger die Kenntnisse der Antragsteller prüfe, sondern sich zu sehr auf Dokumente konzentriere. Dokumente hätten aber viele Menschen auf ihrer Flucht nicht mitnehmen können. Oder die Unterlagen können aus den Herkunftsländern nicht nachgeschickt werden. Die „Gleichwertigkeitsprüfung“ von Tierarztausbildungen aus Staaten außerhalb der EU erfordert zurzeit nicht nur die Bewertung von Prüfungsbescheinigungen, sondern auch Lehrpläne, Stundentafeln oder ähnliches in amtlich beglaubigter Übersetzung. Bei inzwischen über 400 Anträgen im Jahr ist dies für die Tierärztekammern eine Belastung, da in die Prüfung viel Zeit investiert werden muss. Das Land Bayern reagiert auf den Tierarztmangel jetzt sogar mit einer Quote. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit vergibt erstmals bis zu zehn Prozent der an der Ludwig-Maximilians-Universität München pro Jahr zur Verfügung stehenden Tiermedizinstudienplätze an Bewerber, die ein besonderes Interesse an der nutztierärztlichen Tätigkeit aufweisen. „Wir brauchen mehr Tierärzte auf dem Land. Wir brauchen Landtierärzte für die Nutztierhaltung in allen bayerischen Regionen. Sie bedeuten mehr Tierschutz in der Fläche und mehr Lebensmittelsicherheit“, erklärte der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber.